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„Er hat sich so offen gezeigt wie nie zuvor“ – Autorin Heike Kossdorff im Interview zum neuen Buch KRATKY – Die Biografie

Autorin der Robert Kratky Biografie Heike Kossdorff

Was steckt hinter der Stimme, die Österreich seit Jahrzehnten kennt? Autorin Heike Kossdorff verrät im Interview, welche überraschenden und sehr persönlichen Seiten Robert Kratky in seiner Biografie zeigt – und warum dieses Buch weit mehr ist als die Geschichte einer außergewöhnlichen Karriere.

Robert Kratky hat sich entschieden, keine Interviews zur Biografie zu geben. Welche Verantwortung bringt das für Sie als Autorin mit sich?

Es stimmt, Robert Kratky gibt keine Interviews zur Biografie, muss er aber eigentlich auch gar nicht. Er hat schließlich für dieses Buch circa 150 Stunden lang mit mir geredet. In rund 50 Gesprächen, die wir sowohl in seinem Haus in der Wachau als auch online geführt haben, haben wir akribisch sein Leben durchforstet, und er hat extrem offen über jedes wichtige und auch weniger wichtige Ereignis geredet. Ich würde also sagen, dass seine Stimme ohnehin auf fast jeder Seite steckt.
Natürlich macht die Tatsache, dass er sich nicht mehr äußern will, meine Verantwortung als Autorin größer. Das Buch muss für sich selbst sprechen, es wird keine weitere Gelegenheit geben, nachzufragen, etwas zu erklären oder zu relativieren. Deshalb war es mir wichtig, ein möglichst differenziertes und ehrliches Bild zu zeichnen. Es ging mir nie darum, etwas größer oder dramatischer zu machen, als es tatsächlich war. Sondern darum, den Menschen Robert Kratky so zu zeigen, wie ich ihn in diesen vielen intensiven Gesprächen kennengelernt habe – mit all seinen Facetten.

Dieses Buch erzählt auch von Erfolgen, Krisen und sehr persönlichen Momenten. Wie findet man als Biografin die Balance zwischen Offenheit und Respekt vor der Privatsphäre?

Das war wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe während des gesamten Schreibprozesses. Natürlich prägen gerade die weniger guten Phasen einen Menschen, und Krisen markieren oft einen Wendepunkt im Leben. Durch sie versteht man erst, warum jemand bestimmte Entscheidungen trifft.
Gleichzeitig gibt es eine Grenze. Ich habe mich bei jeder persönlichen Geschichte gefragt, ob sie wirklich dabei hilft, Robert Kratky besser zu verstehen oder ob ich damit nur Neugierde befriedigen oder gar eine Schlagzeile in spe generieren würde.

Warum war gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für diese Biografie?

Eigentlich stand die Frage nach einer Biografie schon seit Jahren im Raum. Immer wieder haben Verlage angeklopft. Aber solange Robert Kratky jeden Morgen den Ö3-Wecker moderiert hat, war einfach nicht der richtige Moment. Nicht nur, weil die Zeit dafür gefehlt hat, sondern weil seine Geschichte oder besser: dieses Kapitel seines Lebens noch gar nicht fertig erzählt war.
Erst nach seinem Abschied von Ö3 – und einigen wichtigen Monaten für sich – konnte er überhaupt den nötigen Abstand gewinnen. Und genau dieser Abstand ist für eine Biografie unglaublich wichtig. Plötzlich schaut man nicht mehr nur auf das, was passiert ist, sondern versteht auch, warum es passiert ist. Ich glaube, erst dadurch war diese Offenheit überhaupt möglich.

Welche Seite von Robert Kratky lernen Leserinnen und Leser kennen, die bisher kaum jemand gesehen hat?

Da möchte ich natürlich nicht zu viel verraten – schließlich soll man das Buch ja noch lesen …
Aber ich glaube, viele werden überrascht sein, wie ehrlich Robert Kratky zum Beispiel über seine Einsamkeit als Kind, über seinen enormen Ehrgeiz, der ihn beinahe die Gesundheit gekostet hätte, über psychische Krisen und sogar ein bisschen über sein Privat- und Beziehungsleben spricht. Gerade diesen Bereich schützt er sonst sehr konsequent.

Wenn Leserinnen und Leser das Buch zuklappen, was sollen sie über Robert Kratky verstanden haben?

Ich wünsche mir, dass sie verstehen, dass eine Karriere wie die von Robert Kratky nicht einfach passiert. Hinter dem Erfolg steckt unglaublich viel Disziplin, Ehrgeiz und vor allem die Bereitschaft, einen enorm hohen Preis dafür zu bezahlen.
Noch wichtiger ist mir aber etwas anderes: Dass die Leser den Menschen hinter der bekannten Stimme kennenlernen. Robert Kratky wirkte meist schlagfertig, sehr cool und unangreifbar. Aber er hat auch eine sensible Seite, ist manchmal voller Selbstzweifel oder von Ängsten geplagt. Und – wie die meisten von uns – auf der Suche nach Anerkennung, Freundschaft und Liebe.
Hoffentlich wird beim Lesen des Buches auch verständlich, dass Menschen wie Robert Kratky, auch wenn sie in der Öffentlichkeit stehen, trotzdem Gefühle haben, die man verletzen kann – und das Worte, die man unbedacht in Kommentarfelder schreibt, treffen, wehtun und manchmal mehr anrichten können, als man glaubt.

Wir danken für das Gespräch!

Das Buch “Kratky – Die Biografie” wird ab 22. September im Handel erhältlich sein.

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