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Günther Löffelmann im Gespräch: „Ich habe mit einem Hoppala angefangen – und dann nicht mehr aufgehört“.

Günther Löffelmann - Drehschluss-Fernsehgeschichten aus 44 Jahren.

Herr Löffelmann, wie fühlt es sich an, auf so viele Jahre Fernsehen zurückzublicken?
Es ist wie ein Blick in ein buntes Kaleidoskop. Mal glitzert’s, mal ist es chaotisch, oft beides zugleich. Ich hatte das große Glück, Fernsehen in einer Zeit zu machen, in der man noch ausprobieren durfte. Und ich konnte mit den unterschiedlichsten Menschen arbeiten – vom Showgiganten bis zum Studiokabelträger. Ich habe mit einem Hoppala angefangen – bei meinem allerersten Komparsenjob lief ich aus Versehen ins Bild – und dann einfach nicht mehr aufgehört.

Gibt es eine Begegnung, die Sie bis heute nicht vergessen können?
Da gibt es viele! Aber Falco ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Vor der Kamera war er der coole Popstar, hinter der Kamera ein zutiefst sensibler Mensch, fast schüchtern im Umgang mit Kindern. Seine Nervosität vor einer Kindersendung war berührend – und dann hat er die Sendung mit so viel Charme gerockt, dass wir alle beeindruckt waren.

Ihr Buch strotzt vor absurden, aber auch herzerwärmenden Momenten. An welche verrückten Drehtage erinnern Sie sich besonders gern?
Ganz klar: Wenn Tiere involviert sind, ist es immer spannend! Einmal flüchtete ein Leopard während der Aufzeichnung durch ein ORF-Studio und bei einem Dreh mit Bluescreen-Technik, wurde einem „dreibeinigen“ Elefanten eine blaue Socke verpasst, er war davon aber nur mäßig begeistert. Und besonders in Erinnerung ist mir ein furzender Babyelefant geblieben, der die Luftverhältnisse im Studio drastisch geändert hat! Sehr emotional war auch der Kampf ums Schlammloch von Schwein Huberta… Wenn wir die Micky Maus auch zu den Tieren zählen, dann haben wir bei diesem Dreh in Disneyworld auch sehr viel Magie anwenden müssen und zu einem spektakulären Ergebnis zu kommen.

Und dann war da noch David Hasselhoff …
Oh ja. Die Kinder wollten ihn unbedingt in der Sendung sehen – Baywatch, Knight Rider, „Looking for Freedom“. Als er in Schladming für die Special Olympics war, erhielten wir am Abend zuvor einen geheimnisvollen Anruf: „Kommt morgen früh, er ist bereit.“ Ich holte ihn im Hotel ab – und stellte im Auto fest: Der Mann wusste überhaupt nicht, dass er gleich eine Sendung aufzeichnen sollte. Aber als die Kameras liefen, war er Profi durch und durch. Inklusive Gesangseinlage. Unvergesslich.

Gab es Momente, in denen Sie auch einmal die Geduld verloren haben?
Oh ja – und einer davon heißt Sugababes. Wir hatten ein Interview mit der Band vereinbart, zwei Kameras aufgebaut, das Licht stand – aber die drei Damen ließen uns über eine Stunde warten, weil sie sich nicht auf ein Outfit einigen konnten. Irgendwann habe ich das Team eingepackt und bin gegangen. Als sie dann „bereit“ waren, war ich es nicht mehr. Es war das einzige Interview in 43 Jahren, das ich abgesagt habe. Dafür sind wir spontan zu Atomic Kitten – die waren pünktlich, herzlich und einfach professionell. Ich finde: Höflichkeit ist keine Frage des Promistatus.

Was war Ihr größter Fehlgriff?
Ich habe die Kelly Family als Gäste abgelehnt, bevor sie groß wurden. Ich sagte sinngemäß: „Die kennt doch keiner.“ Wenige Wochen später waren sie mit „An Angel“ auf Platz 1 – und nie wieder zu bekommen. Ich habe Paddy und Angelo Jahre später persönlich gestanden, wie daneben ich lag. Zum Glück hatten sie Humor.

Was wünschen Sie sich von der nächsten Generation im Fernsehen?
Weniger Zynismus, mehr Neugier. Fernsehen ist kein Selbstzweck, sondern Beziehung.Man muss Menschen mögen, um diesen Job gut zu machen, denn das Handwerk Fernsehen kann man lernen. Wenn wir aufhören, wirklich zuhören zu wollen, geht der Funke verloren. Und ich hoffe, dass es immer Menschen geben wird, die bereit sind, sich zu blamieren, zu improvisieren – und über sich selbst zu lachen. Denn das ist oft der Stoff, aus dem die besten Geschichten entstehen.

Wir danken für das Gespräch!

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