Der beliebte ORF-Moderator Günther Mayer erzählt im Gespräch, wer ihm die Show gestohlen hat, was er nicht noch einmal tun würde und was er als Journalist für die Wissenschaft und Forschung tun kann.
Im Buch zeigen Sie Wissenschaftliches in großer Bandbreite, von der Alltagsphysik bis zur Raumfahrt, Sie erklären anschaulich, warum auch scheinbar „kuriose“ Experimente nützlich sind.
Wenn möchten Sie mit Ihrem Buch besonders ansprechen?
Ich möchte zeigen, dass Wissenschaft nicht von verkorksten Professoren mit langen Bärten im Elfenbeinturm gemacht wird, sondern von Menschen, die sich etwas überlegen und ihr Leben lang neugierig bleiben. Mich würde es freuen, wenn das Buch Leserinnen und Leser erreicht, die einen Blick hinter die Kulissen der Forschung machen möchten. Das auch gerne mit kritischem Ansatz. Der Spaß soll dabei nicht zu kurz kommen. Es wäre schön, wenn sich die Menschen, die Tag für Tag ihr Leben der Wissenschaft widmen, mit den Menschen, für die sie das tun, nach dem Buch (noch) besser verstehen.
Zwischen einer immatrikulierten Räbin „Joyi“, gierigen Keas und action-geladenen TV-Shows: Wie viel Inszenierung braucht gute Wissenschaftskommunikation?
Ich denke, gar nicht so viel. Joyi, die kluge Räbin, ist über ihre Rolle hinausgewachsen, das hätten wir gar nicht so toll planen können. Die Keas haben uns regelrecht die Show gestohlen. Ideen für eine Story sind natürlich immer gefragt. Schlussendlich ist es aber auch wichtig, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Experimente sind ohnehin sehr genau definiert, da kann man nicht eingreifen. Wichtig ist auch, die Wissenschaftlerin oder den Forscher mit einzubeziehen, die haben oft die besten Ideen. Man braucht auch die Flexibilität. Der schönste Plan hilft nichts, wenn etwas sich nicht realisieren lässt, dann muss man es im Anlassfall ändern. Aber da fragen Sie am besten Joyi.
Ihr Kapitel über den „Schutzpatron der Elektriker“ zeigt, wie Gottfried Biegelmeier Strom durch den eigenen Körper jagte. Sie selbst scheuen vor Risiko im Dienst der Berichterstattung nicht zurück.
Sie sind im „Kotzbomber“ geflogen, sind beinahe in eine Rinderstampede geraten und haben unter abenteuerlichen Umständen im Amazonas-Gebiet übernachtet. Wo ziehen Sie als Reporter die Grenze bei „Selbstexperimenten“.
Im Nirgendwo. Vieles kann man schlicht und einfach nicht vorhersehen. Natürlich versuchen wir immer, auf der sicheren Seite zu sein. Das funktioniert zum Beispiel in der Natur nur bedingt. Dem Jaguar ist unser Drehbuch egal. Natürlich helfen auch hier Forscher:innen, das Risiko zu minimieren. Klar ist schon: Feige oder ängstlich sollte man nicht sein.
Gibt es etwas, das Sie heute nicht mehr so machen würden?
Nein. Es war und ist eine Abenteuerreise, von der ich nichts missen möchte. Außer vielleicht die Fahrt mit dem Rennauto. Aber das ist im Buch ja eh ausreichend beschrieben…
Sie vertrauen auf die Wissenschaft und Ihre Errungenschaften. Trotzdem bleibt bei komplexen Systemen immer auch Restrisiko, es passieren Pannen, Fehler, manchmal führen diese zu Katastrophen. Wie sehen Sie die Rolle des Journalismus in diesem Zusammenhang? Was gehört ehrlich und transparent gesagt und eingeordnet?
Das Aufklären über die möglichen Risiken ist ein elementarer Anspruch von gutem Journalismus. Das wurde in der Wissenschaft nirgendwo deutlicher als bei der Erfindung der Atombombe. Das sollte uns allen für immer ein warnendes Beispiel sein. Es ist aber auch unsere Aufgabe, Horrorszenarien als solche zu entlarven. Dass im Teilchenbeschleuniger CERN angeblich ein alles-verschluckendes Schwarzes Loch entstehen würde, muss dementiert und richtiggestellt werden. Impfnebenwirkungen gibt es, darüber muss berichtet werden, aber wir sterben nicht alle daran, wie manche behaupten. Ernsthafter Journalismus verschleiert nichts, Mythen und Angstmacherei tritt er mit Fakten und genauer Recherche entgegen.
Der titelgebende Frosch: Diese Anekdote zeigt, wie Neugier und Humor Türen öffnen. Sie verschweigen auch nicht, dass die Kosten für Experimente enorm sein können. Besonders berührend in diesem Kapitel: Ein kleines Mädchen wurde durch die Berichterstattung dazu inspiriert, Wissenschafterin zu werden. In Österreich ist die Wissenschaftsskepsis sehr stark ausgeprägt. Wie wichtig ist es Ihnen, Menschen von der Wissenschaft zu begeistern? Was können Politik und Medien dazu beitragen?
Das Mädchen ist wirklich sehr berührend. In einigen Geschichten in diesem Buch kommen Kinder vor, die sich für Wissenschaft begeistern, nachdem sie mit Forschung in Berührung kamen. In der Steiermark sind Menschen aller Altersgruppen aus der Umgebung mit Begeisterung, Schaufel und Spaten dabei, wenn Archäologen Grabungen machen. Wer sich jeden Tag auch nur eine Minute überlegt, woher all das kommt, was er nutzt, von der Kaffeemaschine bis zur Satellitennavigation am Handy, dem sollte eigentlich klar sein, dass Forschung Fortschritt bedeutet, dass die Grundlagen für unsere Lebensqualität viele Jahre zuvor in Labors und Versuchsanlagen gelegt wurden. Das versucht dieses Buch zu vermitteln.
Wir danken für das Gespräch!