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Neuer Krimi von Herbert Hirschler: „Humor ist meine Geheimwaffe“

Herr Hirschler, mit „Blind Date im Heu“ erscheint bereits Ihr zweiter Krimi rund um Marienschlag. War die Fortsetzung von Anfang an geplant?

Nicht konkret, aber ich habe beim Schreiben des ersten Bandes Her mit der Marie schnell gemerkt, dass in Marienschlag noch sehr viel erzählerisches Potenzial schlummert. Die Figuren sind mir ans Herz gewachsen, vor allem Marie Unterholzer. Sie hat noch lange nicht alles erlebt. Und das Dorf bietet einfach die perfekte Bühne für weitere Abgründe.

Worin unterscheidet sich der zweite Band vom ersten?

Im ersten Krimi standen klassische Dorfstrukturen und alte Geheimnisse im Mittelpunkt. In Blind Date im Heu kommt eine neue Dimension dazu: Medien, Reality-TV, öffentliche Inszenierung. Plötzlich wird das kleine Marienschlag zur Bühne für ganz Österreich. Das verändert das Dorf und auch die Dynamik der Ermittlungen.

Warum ausgerechnet eine Kuppelshow als Ausgangspunkt für einen Mordfall?

Reality-TV ist für mich ein faszinierendes Spannungsfeld zwischen Echtheit und Inszenierung. Dort geht es um Gefühle, aber gleichzeitig um Quoten. Wenn dann ein echter Todesfall passiert, verschwimmen diese Ebenen. Das fand ich als Krimiautor extrem reizvoll. Natürlich bietet es auch viel Raum für Humor.

Ihre Krimis sind spannend, aber immer auch sehr humorvoll. Ist das ein bewusstes Konzept?

Absolut. Das Leben ist ernst genug – auch Mordfälle sind es. Aber gerade das vermeintlich idyllische Dorfleben lässt oft Situationskomik entstehen. Ich liebe es, Spannung und Humor zu verbinden. Der österreichische Schmäh ist dabei meine Geheimwaffe. Er entschärft, ohne die Geschichte ins Lächerliche zu ziehen.

Marie Unterholzer ist erneut die Ermittlerin. Was macht sie für Sie so besonders?

Marie ist bodenständig, klug und sehr menschlich. Sie ist keine überhöhte Superermittlerin, sondern eine Frau mit Ecken und Kanten. Gleichzeitig hat sie Haltung und Mut. Gerade im zweiten Band muss sie sich mit einer medial aufgeheizten Situation auseinandersetzen, die sie auf eine neue Weise herausfordert.

Hand aufs Herz – würden Sie selbst bei einer Show wie „Blind Date im Heu“ mitmachen? Also finstere Stunde im Heustadl, Kameras inklusive?

(Lacht.) Ich fürchte, ich wäre als Kandidat völlig ungeeignet. Erstens würde ich wahrscheinlich anfangen, die Dramaturgie der Sendung zu analysieren, statt romantische Fragen zu stellen. Und zweitens hätte ich ständig im Hinterkopf, dass irgendwo eine Kamera läuft.
Als Autor finde ich so ein Setting natürlich großartig, denn da knistert es automatisch, da entstehen Missverständnisse, Eitelkeiten und kleine Katastrophen. Privat allerdings genieße ich es sehr, wenn mein Leben nicht zur Primetime ausgestrahlt wird. Sagen wir so: Ich schreibe lieber über Blind Dates, als selbst eines vor Millionenpublikum zu erleben.

Sie sind zurzeit „Doppelautor“: Neben Ihren Krimis sind Sie auch im Buch „Gamechanger Abnehmspritze“ vertreten. Darin schildern Sie in einem persönlichen Erlebnisbericht Ihre sehr erfolgreiche Abnehmreise. Wie kam es dazu?

Das war tatsächlich eine völlig andere Form des Schreibens als ein Krimi. In „Gamechanger Abnehmspritze“ habe ich keinen Fachbeitrag verfasst, sondern meine ganz persönliche Geschichte erzählt. Mit dieser Methode habe ich selbst über 30 Kilogramm abgenommen! Diese Erfahrung hat mein Leben spürbar verändert und erleichtert. Mir war wichtig, offen und ehrlich darüber zu schreiben: über Motivation, Zweifel, Durchhaltevermögen und die konkreten Veränderungen im Alltag. Ohne Übertreibung, ohne Schönfärberei. Gerade weil das Thema so viele Menschen bewegt, wollte ich aus der Perspektive eines Betroffenen einen authentischen Einblick geben.

Hat dieser sehr persönliche Zugang Ihr Schreiben an „Blind Date im Heu“ irgendwie beeinflusst?

Inhaltlich sind das natürlich zwei völlig verschiedene Welten. Aber das Schreiben eines Erlebnisberichts schärft den Blick dafür, was echt wirkt: Tonfall, Details, emotionale Glaubwürdigkeit. Und genau das brauche ich auch im Krimi, selbst wenn es dort um überspitzte Figuren, Humor und Mordfälle geht. Am Ende sollen Leserinnen und Leser das Gefühl haben: Diese Menschen könnten mir wirklich begegnen.

Wird es weitere Fälle in Marienschlag geben?

Ich würde sagen: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Solange Marie Unterholzer noch Fragen stellt und Marienschlag noch Geheimnisse hat, ist die Geschichte nicht zu Ende erzählt!

Wir danken für das Gespräch!

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