Die Coverabbildung muss zur Gänze und unverändert erfolgen, Änderungen, Ausschnitte, Ergänzungen oder sonstige Bearbeitungen sind nicht gestattet.
Sollten größere Textmengen und mehr als 3 Fotos verwendet werden, bitte wir um vorherige Absprache und Klärung der Rechte.
Helena trinkt nicht, um zu vergessen.
Sie trinkt, um zu funktionieren.
Sie ist beruflich erfolgreich, schlagfertig, sensibel. Nach der Reha kehrt sie zurück in ihren Alltag aus Medienbetrieb, Events, Dates und subtiler wie offener Grenzüberschreitung. Alkohol und Drogen sind überall: als soziale Schmiermittel, als Belohnung, als Flucht. Und während Helena versucht, sich selbst zu halten, prallen alte Muster, neue Begierden und unausgesprochene Erwartungen mit voller Wucht aufeinander.
In szenischen Fragmenten folgt der Text einer Frau durch Rausch und Zusammenbruch, durch Therapie, Erinnerung und Wiederholung. GIN BOOM erzählt von Abhängigkeit, von männlicher Macht und von den feinen Verschiebungen, in denen Grenzen verschwinden – beruflich, sexuell, emotional. Verantwortung bleibt dabei auffällig oft dort aus, wo sie entstehen müsste.
Der Roman changiert zwischen bitterem Humor, radikaler Intimität und schmerzhafter Klarheit. Er trifft dabei einen Nerv, der weit über das Thema Sucht hinausgeht.
Verena Titze schreibt mit großer Unmittelbarkeit und einer unverwechselbaren Stimme. Ihre Sprache bleibt nah an der Erfahrung, kühl und präzise, aber auf Distanz zur Bewertung und ohne moralischen Kommentar. Ihr Roman ist mutig, unbequem und gleichzeitig zutiefst menschlich.
Talking Points:
- Der Roman verweigert klassische Dramaturgien von Schuld, Heilung oder Erlösung. Stattdessen protokolliert er Zustände: Nähe und Übergriff, Selbstbehauptung und Selbstverlust, Nüchternheit und Rückfall. Suchtmittel erscheinen nicht als individuelle Probleme und Exzess, sondern als gesellschaftliche Praxis und kulturelle Konstanten einer scheinbar freien Gesellschaft. Als Mittel zur Anpassung, zur Stabilisierung, zur Aufrechterhaltung von Leistung, Begehren und Verfügbarkeit.
- Verena Titze schreibt mit großer Unmittelbarkeit und einer unverwechselbaren Stimme. Ihre Sprache bleibt nah an der Erfahrung, kühl und präzise, aber auf Distanz zur Bewertung und ohne moralischen Kommentar. Ihr Roman ist mutig, unbequem und gleichzeitig zutiefst menschlich.
- Gin Boom ist kein therapeutischer Text und kein Bekenntnisroman, sondern eine literarische Untersuchung von Macht, Gewalt und Selbstbestimmung. Er stellt die Frage, wie frei Entscheidungen wirklich sind, wenn Anpassung zur Voraussetzung von Dazugehörigkeit wird.
- Das Buch ist kein klassischer Absturzroman, sondern ein präzises literarisches Protokoll unserer Gegenwart: von Arbeitswelten unter Hochdruck, von toxischen Dynamiken zwischen Männern und Frauen, von Sexualität, Scham und der Einsamkeit hinter der Fassade eines scheinbar gelungenen Lebens.
Interview mit der Autorin Verena Tizte -> zum Interview
Das Interview kann zu redaktionellen Zwecken kostenfrei verwendet werden.
Leserstimmen
Es gibt noch keine Bewertungen.