Beschreibung
Zwischen Absturz und Aufbruch
Helena trinkt nicht, um zu vergessen.
Sie trinkt, um zu funktionieren.
Sie ist beruflich erfolgreich, schlagfertig, sensibel. Nach der Reha kehrt sie zurück in ihren Alltag aus Medienbetrieb, Events, Dates und subtiler wie offener Grenzüberschreitung. Alkohol und Drogen sind überall: als soziale Schmiermittel, als Belohnung, als Flucht. Und während Helena versucht, sich selbst zu halten, prallen alte Muster, neue Begierden und unausgesprochene Erwartungen mit voller Wucht aufeinander.
In szenischen Fragmenten folgt der Text einer Frau durch Rausch und Zusammenbruch, durch Therapie, Erinnerung und Wiederholung. GIN BOOM erzählt von Abhängigkeit, von männlicher Macht und von den feinen Verschiebungen, in denen Grenzen verschwinden – beruflich, sexuell, emotional. Verantwortung bleibt dabei auffällig oft dort aus, wo sie entstehen müsste.
Der Roman changiert zwischen bitterem Humor, radikaler Intimität und schmerzhafter Klarheit. Er trifft dabei einen Nerv, der weit über das Thema Sucht hinausgeht.
Verena Titze schreibt mit großer Unmittelbarkeit und einer unverwechselbaren Stimme. Ihre Sprache bleibt nah an der Erfahrung, kühl und präzise, aber auf Distanz zur Bewertung und ohne moralischen Kommentar. Ihr Roman ist mutig, unbequem und gleichzeitig zutiefst menschlich.
AUTOR:INNEN
Verena Titze
Verena Titze (geboren 1985 in Niederösterreich, aufgewachsen in Hongkong und Wien) ist Kabarettistin und Schriftstellerin. Nach einem Studium der Theater- und Filmwissenschaft sowie Publizistik in Berlin und Wien arbeitete sie viele Jahre als Journalistin und PR-Managerin, bevor sie 2020 ein Burnout und eine Alkoholabhängigkeit in eine persönliche Krise führten. Nach stationärem Entzug und Reha entschied sie sich für einen radikalen Neubeginn. Seit September 2020 lebt sie nüchtern und verarbeitet ihre Geschichte heute künstlerisch – mit Tiefgang, Humor und Selbstironie. Im November 2024 feierte sie mit „Erfolgreich ins Burnout – ein kabarettistischer Crashkurs“ ihr Kabarettdebüt im ausverkauften Wiener Orpheum, mit dem sie derzeit durch Österreich tourt.
Gemeinsam mit dem Psychiater Michael Musalek hostet sie den Podcast Musalek & Titze – Im Rausch des Lebens, der 2024 und 2025 unter die Top 5 des Ö3-Podcast-Awards gewählt wurde. Seit Dezember 2025 ist sie als TV-Host der gleichnamigen TV-Show auf W24 zu sehen. Für ihre Aufklärungsarbeit auf TikTok erhielt sie 2024 den Stephan-Rudas-Preis. Als Speakerin spricht sie über Burnout, Sucht, mentale Gesundheit und gesellschaftlichen Wandel – unter anderem an der SFU Wien, beim Ö3 Mental Health Day und am Anton-Proksch-Institut. Heute setzt sich Verena Titze für mentale Gesundheit, weibliche Selbstermächtigung und gesellschaftlichen Wandel ein. Sie lebt und arbeitet in Wien.
Fritz Schindlecker
Fritz Schindlecker, geboren 1953 in Tulln/NÖ, arbeitet seit 1983 als Kabarettautor, Dramatiker und Drehbuchautor.
Er verfasste Sketches, Songs und Mikrodramen u. a. für Lukas Resetarits, Erwin Steinhauer und das Simpl, Boulevardkomödien wie „Der Steuerfahnder“ oder „4 nach 40“, TV-Serien wie z. B. „Novotny & Maroudi“ und „Die Lottosieger“ und die TV-Doku „Morgenland im Abendland“ mit Josef Hader. 2014 erschien sein historischer Roman „Jakob Mustafa“.
2016 und 2017 veröffentlichte er bei Ueberreuter gemeinsam mit Erwin Steinhauer „Wir sind super!“, „Aufgedeckt“ und „Fröhliche Weihnachterl“. Zuletzt erschien 2021 der Titel “Erwin Steinhauer - Der Tragikomiker”.
PRESSESTIMMEN
Ein beeindruckendes, gelungenes Buch!! Realitätsnah, anregend, erschreckend…. Von einer Autorin, die ihren Lesern und Leserinnen für die Buchlektüre dankt!!
party.at – Bernd Lorenz
Ein wichtiges, ein unterhaltsames Buch! Die Autorin schreibt über Abhängigkeit nicht – Achtung, Wortspiel – trocken, sondern mit saftigen Enthüllungen, wie sie uns bekannt vorkommen. Manche Stellen sind witzig, skurril, andere schmerzhaft traurig, oder grausig, weil viel Realität in dem Text steckt.
ÖSTERREICH – Judith Leopold
Julia –
Boom dreht sich um Helena, die durch ihren Fernsehjob in die Alkoholsucht rutschte. Anschaulich zeigt der Roman, wie Stress und das falsche Umfeld dazu führen, dass man vermeintlich zum Drink greifen muss. Mit ihrem Entzug machte Helena einen ersten Schritt, um diesen Teufelskreis aus Trinken, Feiern und Vergessen zu durchbrechen. Doch – wie in der Realität so oft – folgt darauf ein Rückfall. Für mich machte gerade dieser die Geschichte authentisch, denn es läuft nicht immer alles nach Plan und eine Sucht lässt man nicht mal so einfach hinter sich.
Es war teilweise berührend, frustrierend aber auch amüsant, Helena auf ihrem Weg zu begleiten. Sie ist eine junge Frau, die offen anspricht, was ihr durch den Kopf geht und ihre Gefühle und Gedanken mit den Lesern teilt. Etwas schade fand ich daher, dass nicht immer ihre Geschichte im Vordergrund stand, sondern neue Handlungsstränge eingeflochten wurden, die für meinen Geschmack nicht unbedingt nötig waren und die auch nicht konsequent zu Ende geführt wurden.
Dennoch wird mir Helenas Geschichte definitiv im Kopf bleiben und ich finde es sehr wichtig, dass es Romane wie diesen gibt, die schwierige Themen ansprechen anstatt sie tot zu schweigen!
Fazit: Ein gelungener Roman, der das Thema Alkoholsucht und die Herausforderungen eines Entzugs offen anspricht.
Jadwiga –
. Was geschieht, wenn man dem Alkohol abschwört, doch die Welt ringsum im Rausch verharrt?
In „Gin Boom“ wird diese Frage mit leichter Hand und zugleich bemerkenswerter Tiefe entfaltet!
Ein leiser, eindringlicher Blick, der hier und da die Augen öffnet.
Ein Roman, der nachklingt, der bleibt und in vielerlei Hinsicht die Sehnsucht nach einer neuen Sicht auf die Dinge weckt. 4,5/5 ⭐️
. Aber worum geht es genau…
Helena trinkt um zu funktionieren.
Doch irgendwann wird es zu viel…
Es folgt ein Entzug, der erfolgreich war.
Doch zurück in ihrem alten Job merkt sie schnell…
nichts ist mehr wie es war!
. In Gin Boom folgen wir zunächst allein Helena durch die Handlung. Als ruhender Pol der Erzählung wird sie uns nahegebracht…
Schicht um Schicht, bis ihr Innenleben fast vertraut wirkt. Erst im weiteren Verlauf öffnen sich neue Perspektiven, die das erzählerische Gefüge erweitern und der Geschichte zusätzliche Tiefe verleihen. Fragen, die sich beim Lesen leise einschleichen, finden so nach und nach ihre Antworten.
. Doch das eigentlich Interessante liegt in etwas anderem…
in der beständigen Selbstbefragung. Unweigerlich hält man inne und fragt sich…wie hätte ich auf Helena reagiert?
Hätte ich sie verstanden, hätte ich den Mut gehabt, auf sie zuzugehen?
. Mit Gin Boom gelingt Titze ein Werk,
das gesellschaftliche Haltungen gegenüber ehemaligen Alkoholabhängigen behutsam, aber unnachgiebig hinterfragt und darüber hinaus weitreichendere Fragen aufwirft, wie…
Ist es die Leistungsgesellschaft, die Menschen in Abhängigkeiten treibt?
Sind es die Muster anderer, die uns formen? Oder liegt die letzte Verantwortung doch immer bei uns selbst, wenn wir ins Straucheln geraten?
Und so besitzt Helenas Geschichte das Potenzial, vielen die Augen zu öffnen. Auch hätte ich nichts dagegen gehabt, sie noch etwas länger begleiten zu dürfen.
. In einem zugleich leichten und schonungslos ehrlichen Ton erzählt, entfaltet der Roman eine Eindringlichkeit, die dazu motiviert ihn mühelos an einem Tag durchzulesen und doch hallt er wahrscheinlich gerade deswegen so weit darüber hinaus noch nach.
So bleibt Helena im Gedächtnis, lange nachdem die letzte Seite umgeschlagen ist. Vielleicht gerade deshalb ist Gin Boom ein Buch, das gelesen werden sollte…
um zu verstehen, dass Alkohol niemals die Lösung ist!
venenorojo –
Das Cover deutet schon an, in welche Richtung es geht: Alkoholexzesse. Verena Titze hat einen Roman geschaffen, der viel mehr Aufmerksamkeit erhalten sollte. Es geht um Alkohol, der Droge, die meines Erachtens nach immer noch absolut unterschätzt wird. Im Gegenteil: Wenn man ein Glas ablehnt, erhält man zumeist doofe Sprüche.
Aber kommen wir zum Buch: “Gin Boom” erzählt Helenas Geschichte. Helena ist in der PR-Abteilung eines Fernsehsenders tätig. Sie beherrscht ihren Job, allerdings macht sie ihn scheinbar zum ersten Mal nüchtern. Sie ist nach einem Alkoholentzug zurück am Arbeitsplatz und fühlt sich schon bald überfordert: Leistungsdruck im Job, Aftershowpartys, die ohne Alkohol und Drogen scheinbar nicht funktionieren, die Sucht, die immer wieder präsent ist. Es gibt diverse, wirklich gute Perspektivwechsel in dem Roman – die Darstellung der Eltern, die gerne vertuschen, was mit ihrer Tochter passiert, Arbeitskollegen und ihre Wahrnehmung Helenas, auch die besorgte Sicht ihrer Freundin Moni, die ihr eigentlich Halt geben möchte, aber damit total überfordert ist. Und immer wieder dazwischen: Der Alkohol. Der Spritzer nach Feierabend, der Wein zum Entspannen, der Gin Tonic nach dem Sex. Ohne geht es in dieser Gesellschaft nicht – zumindest ist es kaum denkbar. Chapeau für diese gewagte und herrlich brutale Erzählung, die man dank des großartigen Schreibstils einfach weglesen kann! Eine absolute Leseempfehlung nicht nur für Menschen, die Alkoholiker in ihrem Umfeld haben oder selbst mehr mit Alkohol zu tun haben, als ihnen gut tut, sondern auch für diejenigen, die der Meinung sind, Alkohol wäre keine Droge und bestimmt nicht das Problem. Skurril, erbarmungslos brutal und offen – eine Geschichte zum Alkohol und einer Gefahr, die immer weggelächelt wird!