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Historiker Michaela und Karl Vocelka als Krimiautoren-Duo: Wie einigt man sich auf den Mörder?

Wenn renommierte Historiker wie Michaela und Karl Vocelka auch leidenschaftliche Krimifans sind, dann entsteht wunderbare Lektüre mit authentischen Details, die Geschichte zum Leben erwecken – Ein spannender und informativer historischer Kriminalfall! Bei uns erzählen die beiden aus der Schreibstube.

Wie kann man sich das gemeinsame Schreiben an einem Krimi vorstellen? Wer schreibt welche Teile, wie machen Sie sich das im Vorfeld aus? Teilen Sie die Arbeit „gerecht“ auf?

Michaela Vocelka: Die letzte Frage hat sich uns eigentlich nicht gestellt. Einen Krimi miteinander zu schreiben, sahen wir auch nicht so als Arbeit, sondern eher als eine Reise in eine Welt, die wir uns gemeinsam erschaffen. Zunächst muss man sich ja einmal einen Plot ausdenken und die Charaktere entwickeln. Da wir beide gern mit unserer Phantasie spielen, haben wir uns hier vermutlich ziemlich im selben Maße eingebracht. Wobei wir spontane Ideen, wenn es möglich war, dem anderen gleich mitteilten. Das konnte auch bei der Gartenarbeit, beim Kochen oder am Heimweg von einer Ausstellung usw. sein. Beim Aufteilen des Schreibens haben wir dann unsere jeweiligen Stärken und Schwächen zu berücksichtigen versucht: Da könnte man sagen, mein Mann ist vermutlich schneller im Skizzieren, ich vielleicht lebhafter im Malen. So begann er das Rohgerüst zu verfassen, das ich dann von Kapitel zu Kapitel mit atmosphärischen Details sowie neuen Ideen und Szenen, die mir während des Schreibens einfielen, verdichtete und sprachlich veränderte. Von der Handlung her und auch bei den Charakteren hat sich da dann noch so manches anders ergeben, sodass wir währenddessen auch oft wieder miteinander diskutierten.

Was passiert, wenn Sie sich z.B. auf den Mörder nicht einigen können?

Michaela Vocelka: Wenn wir uns selbst nach der hitzigsten Diskussion nicht auf etwas einigen hätten können, zu dem wir beide im selben Maße stehen, dann wäre dieser Krimi wohl nicht fertiggeschrieben worden. Über den Mörder/ die Mörderin kamen wir übrigens relativ leicht überein, und es wurde am Ende jemand ganz anderer als ursprünglich geplant.

Wie gehen Sie mit Kritik um? Hand aufs Herz: wer setzt sich dann im Hause Vocelka durch?

Karl Vocelka: Da sind wir beide hart im Nehmen und wer sich dann öfter durchsetzt, das sieht jeder von uns vermutlich unterschiedlich. Aus meiner Sicht ist es jedenfalls meine Frau.

Sie erwecken in Ihrem Krimi das historische Prag gegen Ende des 16. Jahrhunderts und den Hof Rudolfs II. zum Leben. Was fasziniert Sie an diesem Habsburger besonders?

Karl Vocelka: Während meines Studiums stand ich in enger Nähe zur Person Rudolfs II., da ich mich über ihn habilitierte und dann noch ein weiteres Buch über ihn schrieb. Schon damals, in den frühen 1980er Jahren, fand ich, dass sich dieser Kaiser, der sich mit ungewöhnlichen Dingen, wie etwa Alchemie, Astrologie und Magie beschäftigte, gut für eine Romanfigur eignet und die eigentümliche Atmosphäre seines Hofes in Prag einen guten Schauplatz bietet. Da mir aber viele andere Projekte dazwischenkamen, blieben die Idee, einen Krimi über Rudolf II. zu schreiben, und erste Gedanken dazu, mehrere Jahrzehnte in der Schublade liegen. Meine Frau hat dann in diese Schublade gegriffen und angeregt, dass wir das Buch gemeinsam weiterentwickeln und schreiben.

Die Alchemie spielt in Ihrem Buch eine große Rolle. Ist das ein Thema, das Sie persönlich auch interessiert und inspiriert?

Karl Vocelka: In der Schule wollte ich eigentlich Chemie studieren, bevor ich mich den Geisteswissenschaften widmete. Die Alchemie ist so etwas wie ein Kreuzungspunkt zwischen den beiden: einerseits mit ihren ersten Ansätzen zur modernen Chemie, andererseits mit ihren zeitgenössischen Philosophien und okkulten Interessen. An das Goldmachen glauben aber sowohl ich als auch meine Frau nicht, außer dieses Buch verkauft sich in Millionen Exemplaren.

Wie kam es zum Titel „Bezoar“?

Karl Vocelka: Obwohl ich die Idee des Romans in den 1980er Jahren nicht weiter verfolgte, habe ich mir damals einen Titel überlegt. Rudolf II. sammelte ja viele Kunstobjekte, darunter auch Bezoare, wundersame Magensteine eines Wiederkäuers, denen man magische Kräfte zuschrieb und die man auch kunstvoll verzierte. Mir gefiel das Geheimnisvolle an dem Begriff, den damals kaum jemand kannte.

Michaela Vocelka: Für mich war „Der Bezoar“ eigentlich ausschlaggebend, die Arbeit an dem Kriminalroman aufzugreifen. Dieser Begriff scheint mir einiges von der mystischen Atmosphäre der Stadt Prag im ausgehenden 16. Jahrhundert widerzuspiegeln. So spielt so ein „Stein“ nun auch eine wesentliche Rolle in unserem Buch. Als wir den Titel unseren Kindern erzählten, haben sie gelacht, da sie das Wort Bezoar aus der Lektüre von Harry Potter kannten.


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